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die fasten diaries

am freitag nachmittag machte sich bei mir partystimmung breit. ich habe es doch tatsächlich geschafft! ich habe die ganze (arbeits)woche gefastet und auch nicht geraucht und ich war dabei weder zickig, noch grantig, ich hab niemanden beleidigt der es nicht wirklich verdient hatte - ich bin doch wirklich eine person, die ich bewundern würde, wenn ich mich nicht besser kennen würde ; )
am nachmittag bekam ich dann auch reichlich die schulter geklopft von den kollegen und kolleginnen, alle waren ganz furchtbar stolz auf mich. und - ich werde da sicher auf viel verständnis stossen, nein, es kann gar nicht ander sein - ich MUSSTE einfach nochmal jeden einzeln aufsuchen und mit grossen kuhaugen, james dean blick (kopf leicht gesenkt, blick von unten) und angedeuteten schmollmund fragen: "duuhhuuu, machst du mir nächste woche dieses leckere ...... ??" ersten waren ich ja so tapfer gewesen, deshalb war jeder sofort bereit mir eine belohnung zukommen zu lassen. zweitens fühlt sich jeder geehrt, denn, wenn ein anderer fastet und dann ausgerechnet! zu dir kommt und essen bestellt - wow, das sagt doch eine menge über die kochkünste des gefragten aus.
somit hätte ich also meinen menüplan für nächste woche fertig und werde ab dienstag jeden tag im büro gekocht. mein auftrag ist es nun, bis dahin meinen magen beizubringen, dass der urlaub vorbei ist und es nicht schlecht ankommen würde, wenn er dann doch irgendwann wieder zu arbeiten beginnt.



heute ist der letzte fastentag im büro. ab montag ess ich auch schon wieder. die letzte woche ist elendig langsam vergangen. morgen fange ich an den körper wieder ans essen zu gewöhnen. das heisst: äpfel, joghurt, reis, usw.. im grossen und ganzen kann ich aber sagen: ich habe es überstanden. gestern wurde irgendwie merkbar, wieviele menschen rund um mich gedacht haben, dass ich es nicht durchhalte. zuerst war ich sauer, doch dann hatte ich einen ehrlichen moment und musste mir eingestehen, dass ich selbst wohl am meisten überrascht bin. ich bin ja viel tougher als ich dachte. congratulations to myself. good girl !
ach ja: die letzten beiden abende waren ein wenig hart, weil littleguy bei meiner mutter war und den gameboy mitgenommen hat. es ist nicht zu glauben, wie sehr einem tetris ablenken kann. mein tipp an alle: egal wohin er geht, egal was euch dort erwartet - habt euren gameboy mit und tetris.



ok, noch so ein traum und ich höre in der sekunde auf zu fasten!! letzte nacht träumte mir, ich hätte ein date mit dem tschuggnal. er sah im traum zwar anders aus und er hat auch nicht gesungen (praise the lord!), aber er war}s. tzzz. unfassbar.
zudem fällt es mir immer schwerer, in gesprächen aufmerksam zuzuhören. ich will auch nicht wirklich plaudern oder reden, gebe - wenn}s leicht geht - bloss "hmmm" laute von mir.
abgesehen davon, fehlt mir jegliches zeitgefühl. ich trage ohnehin nie eine uhr, sondern orientiere mich zeittechnisch an bestimmten fixpunkten. wenn man eine zeitlang ohne uhr unterwegs ist, weiss man, an welchen orten man die zeit checken kann. und man hat auch ein ganz gutes gefühl dafür, wie lange man schon unterwegs ist. das ist im moment allerdings nicht so. ich kann einfach überhaupt nicht realistisch einschätzen, wie spät es ist oder wie lange ich schon unterwegs bin, arbeite, usw...
ooops, das hätte ich beinahe vergessen: meinen saft habe ich gestern abend brav getrunken. fühle mich körperlich immer noch sehr gut. ich habe keinen hunger. und eigentlich ist das gefühl viel mehr als das, ich habe nicht nur keinen hunger, vielmehr fühlt es sich so an, als hätte ich nie hunger gehabt und werde auch nie wieder hungrig sein. wie beschreibe ich das gefühl am besten? es fühlt sich an, als wäre das zentrum von kopf in den bauch gerutscht und dort liegt es nun ganz gemütlich und fühlt sich gut.



na bitte, ich habe mich gerade bei der überlegung ertappt, dass ich ja eigentlich etwas kauen und vor allem SCHMECKEN dürfte, ich darf es bloss nicht runterschlucken. OH MY GOD, what a fucking idea!
ich hatte mir vorab überlegt, welche kollegin wohl als erste kommen würde, um zu fragen, wieviel ich abgenommen habe. hab auch mit mir intern auf die richtige kollegin gesetzt, aber ich dachte, sie lässt sich mehr zeit dafür. heute mittag schon war es soweit. ich habe gerade in der küche tee gemacht, als sie möglichst beiläufig fragte: "und wieviel hast du bis jetzt abgenommen." tja, da musste ich leider passen. ich weiss es nämlich nicht. ich weiss nicht, wieviel ich jetzt wiege, ich habe keine ahnung, wieviel ich vor vier tagen gewogen habe - ich besitze ja noch nicht einmal eine waage. schlimmer noch, wenn mir jemand sein gewicht sagt, weiss ich nie, ob ich nun gratulieren oder doch lieber diesen mitleidig/mutmachenden blick aufsetzen soll, weil ich ganz einfach nicht weiss, was viel, wenig oder durchschnittlich ist.
gestern abend habe ich vergessen meinen saft zu trinken. das darf mir heute nicht wieder passieren. ich brauche bloss zweimal am tag daran denken saft zu trinken. das krieg ich doch hoffentlich gerade noch hin....



so, wir haben nun also mittwoch und ich konnte mich bis jetzt noch nicht auf eine einheitliche form bei den überschriften in den fasten diaries entscheiden. sehr bezeichnen für das ganze projekt an sich. alle sagen, der erste richtige fastentag ist der schlimmste und ich kann nur sagen und vielleicht schreie ich es auch: "I HOPE SO !!" gestern nach dem zahnarzt war ich wirklich scheissbeleidigt. normalerweise belohne ich mich für sowas, kaufe mir irgendwo was leckeres. das ging gestern nicht und das war kinda frustrating. so, dann war ich also schon frustriert und was macht man in so einem fall als erstes? richtig, man raucht erstmal eine. das ging aber auch nicht. und da war ich dann wirklich sauer auf mich selbst. ich durfte nicht essen, ich durfte nich rauchen, der rechte untere kiefer war von der blöden spritze betäubt - how much can a single girl take ??
der abend verlief aber ganz gut. ich spielte mit littleguy nintendo und ging - wiedermal - früh schlafen.
ich war immer gespannt auf den energie-kick, den man angeblich kriegt. ich komme immer mehr in eine "so fucking what" phase, zudem merke ich langsam, wie ich ehrfürchtig werde. ich hab kapiert, warum ich unbedingt fasten wollte. ich verspreche, dass ich, wenn das wochenende vorbei ist, auf meine ernährung achten werde. ich werde obst essen, aufhören zu essen wenn ich satt bin, ich werde weniger rauchen und - keine ahnung. auf jeden fall werde ich meinen körper danach besser behandeln. ich fühle mich nämlich körperlich ausgesprochen wohl. und dieses gefühl hat schon appeal to me. das würde ich ganz gern behalten.
was mich allerdings sehr erstaunt, ist, dass es mich weniger stört nicht zu essen und zu rauchen, vielmehr schmerzt der soziale aspekt. natürlich war mir der vorher auch bewusst, bloss nicht in diesem ausmass. an der stelle entschuldige ich mich bei meinem besten freund dafür, dass ich am sonntag beim frühstück nicht kapiert habe, warum es ein problem gewesen wäre, wenn bloss er gegessen hätte. sorry mr. s., du hattes recht. es ist ganz furchtbar, wenn die kollegen zu mittag gemeinsam essen und plaudern. ich darf zwar mitplaudern, aber das ist irgendwie nicht das selbe. dabei essen die sachen, die ich sonst eigentlich gar nicht haben will - und dennoch fühle ich mich wie ein aussenseiter.
zudem stelle ich fest, dass ich unüberlegt vor mich hin plappere. gut, als frau steht diese fähigkeit natürlich in meiner job discribtion und es würde mir weder im traum, noch im halbschlaf einfallen zu behaupten, ich würde das sonst nicht tun. jedoch, es ist mir gelungen das lustige plappern noch zu steigern. besonders am telefon, denn da muss man ja schliesslich was sagen. zu meinem glück halten mich leute - die mich nicht kennen wohlgemerkt - oftmals für süss. insgeheimt denken sie sicher, dass ich ein rad abhabe. aber damit sind sie auf jeden fall näher dran, als mit "süss". bei persönlichen gesprächen mit leuten die ich kenne fällt mir jedoch oft, dass ich in den letzten tagen manchmal einfach gar nicht antworte. ich sitzte bloss da und habe in dem moment gar nichts zu sagen, weil mir zu viele widersprüchliche ansagen dazu einfallen und ich einfach nicht wissen kann, was ich letztendlich als richtig empfinden werde. wenn ich mich dann irgendwann für eine antwort entschieden habe, sag ich sie. das kann minuten dauern, stunden, tage, wochen. das scheint die leute ein wenig zu verwirren. ich führe das aber nicht aufs fasten zurück. es scheint gerade wiedermal eine zeit zu sein, in der nichts passiert, sich aber einiges ändert.



das essen an sich fehlt mir gar nicht. es ist viel mehr der geschmack, der fehlt. hätte nicht gedacht, dass ich mich nach nur einem tag so über den geschmack des honigs im tee freue.



die letzte nacht war mühsam - mir war entweder zu heiss oder zu kalt und ich hab tonnenweise müll geträumt. zum glück erging es - lasst mich kurz nachzählen - ja doch, genau jedem im büro genaus so. liegt dann also wohl eher doch am mond und nicht am obst essen. zu meiner grossen überraschung, habe ich bis jetzt keinen hunger. ich musste in der früh sauerkrautsaft trinken. ich hab mir zwar schweinsbraten und serviettenknödel dazu vorgestellt, half aber nicht. sauerkrautsaft schmeckt so, wie marilyn manson aussieht. weiter fühle ich mich kein bisschen müde sondern sehr sehr fit. in meinem grössenwahn habe ich nicht nur beschlossen für zehn tage keine feste nahrung zu mir zu nehmen und auch noch nicht zu rauchen - nein, mylady macht sich auch noch ein date mit dem zahnarzt aus. prima idee, ich hasse mich jetzt schon dafür.
ich bin die ganze zeit am singen, schnippen, klatschen, bouncen - was sich mit konzentriertem arbeiten nur sehr wenig vereinbaren lässt. dafür ist es lustig und die kollegen freuen sich auch. so, let me entertain you.



heute ist eingewöhnungstag - also nur obst. ich blödel dachte, ich ess halt einfach den ganzen tag über obst, wenn ich lust habe. falsch gedacht. dreimal täglich obst, nicht gleich danach wasser und viel trinken. das nervt mich ein wenig - ich hab lieber fixpunkte, die sich schnell erledigen lassen und tue sonst einfach nichts. insofern wird das morgen alles schon recht easy, weil da ja dann gar nicht mehr gegessen wird. meine kollegin die mitfasten wollte, musste canceln. sie war vor kurzem krank, hat sich noch nicht ganz erholt und dazu auch noch vom arzt neue medikamente verschrieben bekommen. also nix mit fasten. aber sie trinkt säfte mit.
hunger macht sich ein wenig breit, ist mit wasser aber ganz gut zu handeln. rauchen fehlt mir bis jetzt nicht. sonst fühle ich mich sehr motiviert und überdurchschnittlich gut gelaunt. grinse ständig alle an, laufe nur und gehe kaum, wenn ich irgendwo stillstehen soll fange ich an im stand herumzuspringen. das könnte in der nächsten stunde ein problem werden, ich sollte nämlich dringend ein paar sachen kopieren ; ) wenn ich es an meinem schreibtisch gar nicht aushalte, gehe ich zu meinem kollegen plaudern. der hat das büro mit der meisten sonne - bei ihm neben dem fenster zu stehen ist wie drei tage urlaub. werde zu mittag wohl ein wenig rausgehen. ich bin richtig gespannt, wie es mir in den nächsten tagen ergehen wird.



ich habe vor gut sechs wochen beschlossen gemeinsam mit einer kollegin zu fasten. zehn tage insgesamt: ein eingewöhnungstag, drei aufbau tage und dazwischen sechs tage lang richtig fasten. heute in einer woche ist der erste echte fastentag. und die sechs wochen, um mich darauf einzustellen, haben mir gut getan. zuerst war der kopf irrsinnig aufgeregt und hat es jedem erzählt - egal, ob er es hören wollte oder auch nicht. nach einer zeit wurde der kopf leiser, weil er ja immerhin doch ständig am plappern ist und ihm schnell langweilig wird. sechs wochen sind eine lange zeit. für den kopf war es also schon beschlossen und fertig und so wurde der gedanke zu einem gefühl und ging langsam auf den körper über. zuerst stellte ich fest, dass ich ganz automatisch anfing, immer weniger zu essen, ca. drei wochen lang. seit letzter woche esse ich wie ein bauarbeiter - mit einem wahnsinn appetit und es schmeckt alles ganz hervorragend. ausserdem habe ich mich selbst dabei überrascht gemüse zu essen und vitaminsäfte zu trinken. sehr ungewöhnliches verhalten. salat ess ich aber nach wie vor nur in einem burger.
ich finde es sehr spannend und ich freue mich auf die zehn tage. vor allem sollte man in der zeit natürlich auch nicht rauchen. pff, schwierig. weit aus schwieriger, als nicht zu essen. fasten war ja ein entschluss, den ich bewusst fasste. rauchen geht damit einher. aber ich rauche wirklich gern. zuerst dachte ich, ich schrenke es einfach nur ein. aber das ist quatsch. wenn schon, denn schon. ich stelle mich jetzt also einfach mal darauf ein, in der zeit auch nicht zu rauchen. der kopf hat sich an den gedanken schon gewöhnt. ich hoffe, er gibt die info bei zeiten an den rest des körpers weiter.



 
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